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Vermoegensverwaltungsarten

 

Welche Vermögensverwaltungsart ist die beste für Stiftungen?

Es gibt viele Arten, die Vermögensverwaltung für Stiftungen zu besorgen. Puristen investieren nur in einzelnen Wertpapieren. Andere wollen es einfach und unkompliziert und wählen einen Stiftungsfonds, der extra auf ihre Bedürfnisse hin konzipiert wurde. Sehr große Stiftungen wiederum haben ein (scheinbar) buntes Sammelsurium von Anlagen aus aller Welt, mit dem sie ihrem Auftrag gerecht werden wollen. RenditeWerk möchte einen Überblick bieten über die Stärken und Schwächen der einzelnen Vermögensverwaltungsformen.

 

Vermögensverwaltung in Einzel-Wertpapieren

Viele puristische Anleger, darunter auch Stiftungen halten nichts von Fonds, schon gar nichts von Zertifikaten und auch nichts von anderen strukturierten Finanzprodukten. Ich weiß nicht, welche Kosten in Fonds stecken, was genau ein Zertifikat tut, heißt es dann. Nur wer in einzelnen Aktien, etwa einer Siemens, Apple oder Coca Cola investiert ist und einzelne Anleihen wie Bundesschatzbriefe oder eine Daimler Unternehmensanleihe hält, weiß wirklich zu jedem Zeitpunkt, was er hat. Und nur wer weiß, was er hat, hat auch die jederzeitige Kontrolle über sein Vermögen. Nur dann gibt es keine versteckten Klumpenrisiken, nur dann weiß der Stiftungsverantwortliche, dass die Vermögensstruktur auch wirklich den Anlagerrichtlinien entspricht.

In Einzelwerte zu investieren, hat noch mehr Vorteile. Das eine sind die Kosten. Keine Vermögensverwaltungsform ist billiger als die, direkt Aktien und Anleihen zu kaufen und in einem Depot zu halten. In Einzelwerten liegen alle Kosten offen. Es gibt keine Werbungskosten, die man etwa in Fonds mittragen muss, keine versteckten Provisionen. Ein Vorteil kann auch die steuerliche Behandlung sein. Wer nur oder überwiegend in deutschen Aktien und Anleihen anlegt, vermeidet mit der Nichtveranlagungsbescheinigung die Besteuerung der Dividendenerträge. Bei vielen ausländischen Werten wird es aber unter Umständen sehr schwierig, sich die Steuer wieder zu holen. Damit kommen wir zu den Nachteilen: Da ist der bürokratische Aufwand. Grundsätzlich sind bei der Einzelverwaltung alle Käufe und Verkäufe zu verbuchen. Und: Um mit der Investition in einzelne Aktien und Anleihen eine genügend große Streuung zu realisieren und wirklich günstige Transaktionskosten zu bekommen, müssen Umsätze und Vermögensgröße stimmen. Schließlich sollten Stiftungen wissen, was sie tun und welches Risiko damit jeweils verbunden ist.

Fazit: Für Stiftungen, die groß genug sind (min. 2,5 Mio. Euro) und über genügend Fachwissen zur Vermögensverwaltung verfügen, ist die Verwaltung in Einzeltiteln eine sparsame und sehr transparente Methode.

 

Vermögensverwaltung mit passiven Produkten (ETFs)

ETFs sind aus gutem Grund in Mode, denn die Exchange Traded Funds (börsengehandelte Fonds) haben eine Menge schicker Features. Die Fonds, die passiv genannt werden, weil sie meist nur einen Index (zum Beispiel den der 30 DAX-Werte) passiv eins zu eins abbilden, ohne Aufwand für Research zu betreiben und aktiv von der Indexzusammensetzung abzuweichen, sind extrem transparent (die Zusammensetzung des Index entspricht ja genau der des Fonds) und haben sehr niedrige laufende Kosten. Ein DAX-ETF etwa liegt bei unter 0,25 Prozent an Kosten pro Jahr. Zum Vergleich: ein aktiver deutscher Aktienfonds kostet oft mindestens das Dreifache. Dazu kommt die niedrige Einstiegshürde: Viele ETFs gibt es schon ab 500 Euro Minimum, darin sind dann immerhin etwa im DAX-Fall dreißig Aktien, also schon eine deutliche Streuung. Gut auch, dass es heute ETFs für fast alle Bereiche gibt. Man kann Branchen und Regionen abdecken, findet ausschüttende und thesaurierende ETFs und kann auch die Anforderungen an Nachhaltigkeit befriedigen.

Fazit: Schon mit vier oder fünf  ETFs können sich auch kleinere Stiftungen (ab 50.000) eine professionelle Vermögensstruktur geben. Allerdings sollten kostenbewusste Stiftungen nicht vergessen, dass ETFs eben nur Bausteine für eine gute Vermögensverwaltung sind, diese aber nicht ersetzen.

 

Vermögensverwaltung mit aktiven (Investment-)Fonds

Der aktive Investmentfonds ist der Klassiker der deutschen Vermögensanlage. Mehr als 15.000 Vehikel haben hierzulande eine Vertriebszulassung und das gesamte in den Fonds steckende Vermögen macht über zwei Billionen Euro aus. Es gibt sie in allen Variationen, Nischenprodukte und solche, die in große Märkte investieren; als thesaurierende und ausschüttende Varianten, für Profianleger (mit Rabatt) und private Investoren, mehr oder weniger aktiv und mehr oder weniger erfolgreich. Mit manchen Fonds (Mischfonds) hat man die gesamte Vermögensverwaltung, andere bieten sich wieder nur als Bausteine für das Stiftungsvermögen an. Investmentfonds gelten als gut reguliert und damit relativ betrugssicher.

Produkte wie etwa der Aktienfonds Gamax Funds Junior oder der IIV Mikrofinanzfonds sind Beispiele, die von der RenditeWerk-Redaktion als Bausteine des Stiftungsvermögens ausgezeichnet wurden. Bei aktiven Fonds wird im Gegensatz zu passiven Fonds Research betrieben und es werden eigene Anlageideen umsetzt. Die Kehrseite: Research ist teuer und treibt die Kosten der Fonds nach oben. Wer einen Anleihefonds erwirbt (etwa den Acatis IFK Value Renten), wird vielfach um einen Prozentpunkt an Kosten pro Jahr dafür zahlen müssen. Aktive Aktienfonds kosten meist mindestens 1,5 Prozent an jährlichen Fees. In ähnlichen Bereichen liegen Immobilienfondskosten. Dazu kommen noch Ausgabeaufschläge und manchmal auch Rückgabeaufschläge. Die höheren Kosten begründen die Anbieter aktiver Fonds mit besseren Performance-Erwartungen. Nicht alle - und über einen längeren Zeitraum nur die wenigsten - können diese Erwartung allerdings erfüllen.

Fazit: Für selbstentscheidende Stiftungen bieten sich aktiv gemanagte Fonds als Bausteine an. Ihre besondere Berechtigung haben aktive Fonds wohl insbesondere in schwierigen Märkten und im Rahmen einer Core-Satellite- oder auch einer Multi Asset-Strategie.

 

Stiftungsfonds

Stiftungsfonds stellen eine Untergruppe der Investmentfonds dar. Nur wenig mehr als 50 Fonds tragen die Bezeichnung Stiftungsfonds im Namen, einige weitere werden dazugerechnet.

Stiftungsfonds sind in der Regel Mischfonds, die auf die Bedürfnisse von Stiftungen hin aufgelegt und ausgestattet sind. Das zeigt sich schon in der Anlagepolitik, die meist aus Anleihen (prototypisch min. 70%), aus Aktien (prototypisch: maximal 30%) und vielleicht aus Immobilien (zu maximal 15%) besteht. Die Fonds werden aktiv gesteuert und sie wollen vermögensverwaltend sein, also nicht nur ein Baustein der Anlage darstellen, sondern die komplette Verwaltung übernehmen.

Stiftungsfonds zeichnen sich häufig auch dadurch aus, dass sie preiswerter als vergleichbare Produkte sind (von RenditeWerk bekommen nur Fonds das FRANK-Siegel für Stiftungsgeeignetheit, die weniger als 1,2 Prozent pro Jahr kosten). Stiftungsfonds schütten in aller Regel ordentliche Erträge aus, wobei manche Manager auch auf einen stabilen Ausschüttungsbetrag achten. In einigen Fällen gibt es sie auch als Nichtveranlagungsvariante.

Fazit: Stiftungsfonds sind für kleine und mittlere Stiftungen, die sich um die Vermögensanlage nicht kümmern können und wollen, eine erstklassige Anlagevariante. Es gibt allerdings gewichtige Unterschiede, die für Amateure eine Beratung wünschenswert erscheinen lassen.

 

Spezialfonds

Spezialfonds sind eine deutsche Besonderheit, die unter Profianlegern (sogenannte Institutionelle Investoren) eine riesige Bedeutung haben und auch im Stiftungssektor vermehrt zum Einsatz kommen. Das Charakteristikum der Spezialfonds: Sie werden speziell für einen oder wenige Anleger aufgelegt und verfügen meist nicht über eine Vertriebszulassung für den breiten Markt. Weil ein Fonds für nur einen Anleger erheblichen Aufwand mit sich bringt, lohnt sich der Spezialfonds nur ab einem Vermögen von mindestens 10 Millionen Euro. Dafür kann der Anleger allerdings das Investment auch sehr individuell auf sich zu schneidern lassen. Das gilt für die Anlagerichtlinien, in denen festgelegt wird, was der Manager darf und was nicht. Es gilt für das Universum (in welche Wertpapiere), die Anlagequoten (Welche Maximal- oder Minimalanteile etwa für Anleihen), den Anlagestil (etwa Value), die Wertsicherungskomponenten (zum Beispiel eine Risikobudgetierung), das Ausschüttungsverhalten und so weiter. Für den Anleger sind die Fonds jederzeit einsehbar und natürlich sind Stiftungsfonds für eine Stiftung steuerbefreit. Weil kein Vertriebsaufwand zu leisten ist und nur wenige Anlegerkonten zu führen sind, ist der Fonds auch sehr preiswert (vergleichbar mit den Kosten für ETFs).

Fazit: Für Stiftungen, die über mehr als 20 Millionen Euro an freiem Kapital verfügen, sind  Spezialfonds unbedingt überlegenswert. Wer allerdings mehr als einen Manager für das gesamte Vermögen möchte (Anleihenspezialisten sind ja nicht immer auch gute Aktienmanager), braucht dann schon zwei Spezialfonds … (Oder man beteiligt sich an einem der speziell für Stiftungen aufgelegten Spezialfonds. Bei Interesse kann man die Redaktion von RenditeWerk nach Namen fragen).

 

Geschlossene Fonds

Geschlossene Fonds (auch geschlossene AIF) sind Fonds, die sich zumeist auf ein Objekt oder wenige Objekte beziehen, eher wenige Anleger haben und nicht auf Dauer angelegt sind. Typische Beispiele für geschlossene Fonds sind Schiff-, Flugzeug oder auch Windkraftfonds. Die Initiatoren solcher Fonds suchen zur Finanzierung etwa eines Windparks Anleger. Diese investieren in der sogenannten Zeichnungsphase (ein späteres Investment ist nicht mehr möglich), halten die Anteile dann bis zur geplanten Auflösung des Fonds. Meist handelt es sich um sogenannte Sachinvestitionen, die den Investoren einen handfesten Gegenwert für ihre Zahlung gewährleisten sollen. Trotzdem sind Geschlossene Fonds riskant und umstritten. Kritiker bemängeln die hohen Kosten vieler solcher Fonds (manchmal über vier Prozent jährlich), das hohe Maß an Intransparenz (insbesondere der Unternehmensführung und der sogenannten Binnenprovisionen), die Preisfeststellung der Anteile (die meist nur durch eine Institution, nämlich den Verkäufer stattfindet), das hohe Risiko (Totalverluste sind im Bereich geschlossener Fonds beileibe nicht ausgeschlossen) sowie die steuerliche Problematik für Stiftungen (Manche Fonds sind auch für Stiftungen nicht steuerbefreit mit Infektionsgefahr).

Die Befürworter von Geschlossenen Fonds führen ins Feld, dass sich die Situation (insbesondere auf den Feldern Interessenskonflikte und Transparenz) seit dem Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuches vor einigen Jahren deutlich verbessert habe. Außerdem stünden den teilweise hohen Risiken auch überdurchschnittliche Gewinnmöglichkeiten gegenüber. Dann verbesserten Geschlossene Fonds in aller Regel die Qualität der Vermögenszusammensetzung. Und schließlich führen Befürworter ins Feld, dass wirklich um Nachhaltigkeit bemühte Stiftungen, die kein Direktinvestment schultern könnten, keine Alternative zu Geschlossenen Fonds hätten, weil nur im Geschlossenen Fonds die Investmentsumme tatsächlich vollumfänglich in den Ausbau ökologischer Produkte gelange.

Fazit: Stiftungen, die eine Anlage in Geschlossenen Fonds in Erwägung ziehen, sollten sich unbedingt sehr gut und unabhängig – und nicht nur vom Anbieter oder Vermittler - beraten lassen! In kleinen Dosen kann ein solches Investment dann empfehlenswert sein.

 

Standardisierte Vermögensverwaltung

Die standardisierte Vermögensverwaltung gibt es in zwei Varianten. In der Variante eins handelt es sich um einen vermögensverwaltenden Dachfonds, der etwa in Einzeltitel, aktive Fonds und ETFs investiert und mit dem die anlegenden Stiftungen eine komplette Vermögensverwaltung erhalten.  Anleger können je nach Risikopräferenz in eine von drei Varianten dieses Dachfonds investieren und so ein Stück Individualität herstellen.

Die „echte“ standardisierte Vermögensverwaltung besteht aus einem Einzeldepot, das ein Vermögensverwalter exakt so steuert wie hunderte oder tausende andere Depots. In diesem Depot liegen dann je nach Risikopräferenz – auch in dieser Variante werden meist drei bis fünf verschiedene Risikoklassen angeboten – mehr oder weniger risikoreiche Anleihen, Aktien und Fonds. Der Unterschied zwischen Variante eins und zwei besteht in der Rechtsform. Die ist aber für Stiftungen nicht unerheblich, denn mit einer Nichtveranlagebescheinigung kann man im Depot die Abbuchung der Ertragssteuer verhindern. Im Fonds müssen sich die Stiftungen die Steuern, die der Fonds vorab abführt, aufwändig wiederholen.

Fazit: Die (echte) standardisierte Vermögensverwaltung ist für Kleinanleger entstanden, bevor die Fonds begannen, das Geschäft zu dominieren. Mit der neuen Besteuerung auf Fondsebene hat die Depot-Verwaltung wieder ein Plus. Für die meisten Stiftungen dürfte die standardisierte Vermögensverwaltung dennoch eher die zweite oder dritte Wahl sein, weil Themen wie Nachhaltigkeit, Ausschüttungen, stärkere Differenzierung oft noch nicht umgesetzt sind.

 

Individuelles Vermögensverwaltungsmandat

Die individuelle Vermögensverwaltung, auch Private Banking oder Wealth Management genannt, ist die für eine Stiftung auf- und umgesetzte Vermögensstrategie durch einen Bank oder einen unabhängigen Vermögensverwalter. Ähnlich wie im Spezialfonds werden Anlagerichtlinien aufgesetzt, Verlustgrenzen, Vermögensziele, Anlagegebiete und -Grenzen definiert und dann in Einzelwerte, ETFs und nicht selten auch in Direktinvestments oder Geschlossene Fonds investiert. Die Einstiegssummen liegen deutlich unter der in Spezialfonds und fangen (realistisch) bei vielleicht 2,5 Millionen Euro an. Dafür aber sind die Konditionen auch nicht so günstig wie bei Spezialfonds. Es gibt am Markt eine Menge Anbieter, die auch unterhalb dieser Summe individuelle Vermögensverwaltung anbieten, aber diese Dienstleistung entpuppt sich dann schnell als „von der Stange“.

Fazit: Die individuelle Vermögensverwaltung für Reiche und sehr reiche Personen und Familien, die häufig auch eher über Generationen als über Jahre denken, kommt der Idee der Stiftungsanlage sehr nahe. Stiftungen sollten aber darauf achten, nicht vorschnell in eine Schublade geschoben zu werden.